6 Juni 2014

Generation Y Buchtipp

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Thomas Engelhardt

Mittlerweile ist die Generation Y auch in der Fachliteratur angekommen. Immer mehr Bücher erscheinen zu der Frage, wer diese Generation ist, was sie will und wie man mit ihr umzugehen hat. In diesem Blogeintrag möchte ich Ihnen „Glück schlägt Geld“ vorstellen, in dem Kerstin Bund die Generation Y aus Sicht der Generation Y beschreibt. 

Glück schlägt Geld

„Jeder glaubt, uns zu kennen. Aber niemand scheint uns zu mögen.“ Grund genug für Kerstin Bund, uns die Generation Y mal ganz aus Sicht der Generation Y zu erklären. Denn die Autorin ist 1982 geboren und damit selbst Teil der jungen Generation, die derzeit für einen grundlegenden Paradigmenwechsel in vielen Unternehmen steht. Ziel ihres Buches ist es, „mit Klischees und Missverständnissen auszuräumen“ und den Lesern zu erklären, „was die Generation Y wirklich will“. Dies tut sie auf knapp 200 Seiten in einer sehr angenehmen Weise – in einer guten Mischung aus inhaltlichem Roten Faden und Geschichten aus ihrer eigenen Biografie sowie von anderen Vertretern der Generation Y. Ausgehend von einer einführenden Definition der Generation Y führt sie uns über die Unterschiede im Vergleich zu früheren Generationen hin zu einer Beschreibung, wofür die jungen Arbeitsnehmerinnen und Arbeitnehmer von heute stehen, was ihnen wichtig ist, was sie von Unternehmen brauchen, aber auch warum sie für die Weiterentwicklung von Unternehmen von zentraler Bedeutung sind. 

Immer wieder macht sie dabei deutlich, dass die Generation Y nicht nur ein imaginärer Hype ist, sondern in ihren Augen tatsächlich grundlegende Dinge anders machen möchte als ihre Vorgänger-Generationen. Dies führt sie vor allem auf den Kontext zurück, in dem die Generation Y in den 80er und 90er Jahren aufgewachsen ist: „So sind wir: behütet aufgewachsen, gut vernetzt, gewohnt daran, alles sofort zu haben. Mit diesem Selbstverständnis betreten wir die Berufswelt und haben keine Scheu, zu sagen, was wir denken. Wir wissen, was wir wollen. Anders leben. Anders arbeiten. Anders sein.“ Als Konsequenz davon ist aus ihrer Sicht ein anderes Verständnis von Arbeit und Leben entstanden. Grundlegende Werte, so Kerstin Bund, hätten sich dadurch verschoben: „Das Statussymbol meiner Generation heißt Selbstbestimmung. ... Wir möchten selbst entscheiden können, wo und wann wir arbeiten.“ Junge Menschen würden heutzutage keine klare Grenze mehr zwischen Beruf und Freizeit ziehen. Ihre Generation habe früh gelernt, sich selbst zu organisieren, was dazu geführt hat, dass sie nun sehr verantwortungsvoll mit Freiheit umzugehen wüssten. 

Dies alles habe massive Auswirkungen auf die Einstellung junger Menschen zu ihrer Arbeit - und ihren Arbeitsgebern: „Meine Generation wünscht sich eine Arbeitswelt, in der es auf Ergebnisse ankommt.“ Und „wer uns führen will, muss sich unsere Gefolgschaft erst verdienen, nicht einmal, sondern jeden Tag aufs Neue.“ Die Generation Y mache keinen Dienst mehr nach Vorschrift. Sie wolle ganz genau wissen, warum sie etwas tut. Pointiert fragt sie: „Warum wählen wir unseren Chef nicht nach Anlass. Überhaupt macht sie sehr deutlich, dass es der Generation Y neben vielen anderen Punkten wie sinnvoller Arbeit und einer guten Work-Life-Balance in einem besonderen Maße um eine neue Führungskultur geht: „Wir wollen einen Mentor und keinen Manager, der uns sagt, wo es langgeht.“

Im letzten Drittel des Buches beschreibt die Autorin dann dezidiert, „was die Wirtschaft für uns (also für die Generation Y) tun kann“. Wie man sie alo für sich gewinnen kann. Dazu zählt sie mehr Freiheit, etwa durch 70 oder 80% Stellen, Doppelsitzen auf Führungspositionen, Vertrauensarbeitszeit oder die Möglichkeit von Sabbaticals. Natürlich durch gute Führung, also einen Führungsstil, bei dem der Chef die Ziele vorgibt und man als Mitarbeiter entscheiden kann, wie man diese Ziele erreicht. Durch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf: „Früher lockten die Firmen gute Leute mit Dienstwagen, Boni oder Aktienpaketen, inzwischen ist die Edel-Kita mit Wellness und Englischkurs, mit qualifizierten Erziehern und langen Öffnungszeiten ein wichtiges Argument im Vorstellungsgespräch.“ Und durch eine angemessen Belohnung: Die meisten Unternehmen belohnten ihre Mitarbeiter nach der Dauer der Betriebszugehörigkeit. Die Generation Y wolle lieber schon jetzt auf ihre Kosten kommen. Geld spiele also nicht die entscheidende Rolle für die Arbeitsmotivation, sei aber dennoch ein wichtiger Faktor.

Abschließend gibt Kerstin Bund auch noch einige Hinweise darauf, warum die Generation Y im Gegenzug auch etwas für die Wirtschaft tun kann. Ihre Generation sei internationaler, vielsprachiger und weltoffener und die meisten ihrer Altersgenossen hätten bereits zahlreiche Erfahrungen in unterschiedlichsten Kontexten gemacht. Eine wesentliche Konsequenz daraus sei, dass die jungen Leute wesentlich besser mit Veränderungen umgehen könne und auf eine spielerische Art und Weise kreativ seien. Zu guter letzt sorge ihre Generation dafür, dass „die Arbeit Sinn macht“ und „für mehr Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern“. Abschließend bringt sie den Mehrwert der Generation Y auf den Punkt: „In einer Wirtschaftswelt, die auf Innovationen und die Bereitschaft zu ständigem Wandel angewiesen ist, sind das keine schlechten Voraussetzungen.“

Ein wirklich gutes Buch für alle, die sich bisher eher wenig mit der Generation Y auseinandergesetzt haben und insbesondere für Führungskräfte, die eine Idee davon bekommen möchte, wie diese Generation tickt und worauf es im Umgang mit ihr ankommt. Und vielleicht hat die Autorin ja Recht, wenn sie sagt, dass die Generation Y am Ende viele Dinge in die Unternehmenswelt bringt, die auch den älteren Generationen nutzen: „Meine Generation kämpft für eine Kultur in den Unternehmen, die nicht jedem das gleiche Modell überstülpt. ... Es geht nicht um Richtig und Falsch, es geht um Freiheit. Um Individualität. Darum, dass der Mensch im Mittelpunkt steht. Das wünschen sich auch die älteren Beschäftigten. Im Grunde wollen wir das Gleiche.“

Ein Interview mit der Autorin finden Sie hier.

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