18 Februar 2015

Über die Generation Z

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Thomas Engelhardt

Seit der Generation Y ist es zunehmend in Mode gekommen, sich mit den unterschiedlichen Generationen, ihren Werten und ihren Anforderungen an die Arbeitswelt auseinanderzusetzen. Seit einiger Zeit kursiert in dieser Diskussion nun schon der Name einer weiteren Generation – der Generation Z, sozusagen der Nachfolge-Generation der Generation Y.

Zu dieser Generation gehört man offiziell, wenn man in den 90er Jahren oder später geboren wurde. Die jüngsten Vertreter der Generation Z werden also dieses Jahr bereits 25 Jahre alt. Damit wird deutlich, dass die Generation Z keine Zukunftsvision ist, sondern schon bald für viele Unternehmen zur Realität wird. Zumal die Werte und Einstellungen der Generation Z schon jetzt auf die vorherigen Generationen abfärben – also etwa auf die Eltern aus der Generation X, die Großeltern aus der Baby Boomer Generation, aber auch auf die Vorgänger-Generation, die Generation Y, die ganz besonders von den teilweise extrem gegensätzlichen, teilweise sehr ähnlichen Einstellungen der Generation Z  herausgefordert wird.

Ein Blick auf die Generation Z ist daher wichtig, um sich auf die jungen Leute einzustellen, fordert aber auch die Weiterentwicklung des eigenen Wertemusters heraus. Schauen wir uns die wichtigsten Merkmale Generation Z mal konkreter an. Hierzu gehören:

  • Die Grundhaltung der Generation Z liegt in einem konsequenten Realismus. Waren ihre Vorgänger-Generation noch idealistisch, skeptisch oder grenzenlos optimistisch, so ist die neue Generation einfach nur realistisch. Man hat keine großen Utopien, folgt keinen religiösen Anschauungen oder politischen Ideologien mehr. Man schaut einfach, was am besten seinen Zweck im eigenen Leben erfüllt.
  • Ein zentraler Grund für diese Haltung liegt in der zunehmenden Ohnmacht gegenüber der Unüberschaubarkeit der Welt und der zunehmenden komplexen Konflikte, auf die man (und selbst die Politik) sowieso kaum einen Einfluss hat. Aufgewachsen in G8 und im Bologna-System geht es nicht mehr um richtungsweisende Entscheidungen bzgl. des künftigen Berufes. Im Studium sammelt man vor allem eifrig Punkte, um schnell ans Ziel zu gelangen und aufgrund der Vielfalt von Bachelor- und Masterabschlüssen verliert sich jeder individuelle Werdegang in der allgemeinen Bedeutungslosigkeit.
  • Zudem ist die Generation Z aufgrund der digitalen Medienvielfalt und Echtzeitkommunikation extrem gut informiert wie keine Generation zuvor, aber eher auf der Oberfläche und fast nie besonders fundiert. Man spricht auch von der „sich selbst unterhaltenden Generation“. Im Mittelpunkt steht das abendliche Treffen mit Freunden oder eine Online-Diskussion über die Wahl des nächsten Urlaubsziels. Inhalte sind nie grundsätzlich interessant, sondern mit Blick auf ihre unmittelbare Anwendbarkeit.
  • Als eine zentrale Reaktion auf all das kehrt die Generation Z nach dem Ausflug der Generation Y in die globale Welt eher wieder zurück in die lokale Gemeinschaft vor Ort. Man will friedlich und in Ruhe in der eigenen kleinen Welt leben, digital eng verbunden mit einem Netzwerk aus verschiedenen Freunden. Dabei ist man natürlich weiterhin global vernetzt, aber darauf liegt nicht mehr so sehr der Schwerpunkt wie bei der Generation Y.

Was bedeutet die Generation Z nun für die moderne Arbeitswelt:

  • Das Unternehmen ist keine Familie: Die realistische Grundhaltung überträgt sich auch auf die Einstellung gegenüber dem eigenen Arbeitsgeber: Die Generation Z hat kaum eine emotionale Bindung an Unternehmen oder an andere Institutionen und sucht diese auch nicht. Die Verbindung zum Arbeitgeber wird unter sehr nüchternen Gesichtspunkten betrachtet wie Gehaltshöhe, absehbaren beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten und einer geregelten Arbeitszeit, die genug Freiraum für ein geregeltes Privatleben lässt.
  • Höhere Bedeutung extrinsischer Faktoren: Insgesamt steigt die Bedeutung extrinsischer Faktoren wie Geld und Arbeitszeitregelungen. Dabei bevorzugt die Generation Z ein klar geregeltes Grundeinkommen, das Sicherheit vermittelt, in Kombination mit individuellen projektbezogenen Zulagen. Sie hält nichts von leistungsbezogener Vergütung, da sich dahinter aus Sicht der Generation Z das organisationale Hamsterrad verbirgt, aus dem man dann nicht mehr herauskommt. Und das möchte man ja unbedingt vermeiden.
  • Trennung Beruf und Privatleben: Zudem ist der Generation Z wichtig, Berufliches und Privates strikt voneinander zu trennen. Man glaubt nicht mehr an die berufliche Selbstverwirklichung und daher opfert man sich auch nicht mehr – „sinnlos“ – für den eigenen Job auf. Das Konzept der Work-Life-Balance greift bei dieser Generation daher auch nicht mehr, vielmehr geht es um klare Arbeitszeiten, idealerweise von 9 bis 17, Freitags gerne auch nur bis 14 Uhr. Dies gilt übrigens auch für die digitale Welt: Bei aller Vernetzung unterscheidet man klar zwischen beruflichen und privaten digitalen Netzwerken und ist beruflich außerhalb der Arbeitszeit auch nicht mehr online.
  • Geringe Verweildauer bei einem Unternehmen: Das ganze Arbeitsleben ist eine Ansammlung von Kurzzeitbeziehungen – sozusagen Arbeitspartnerschaften auf Zeit; man zieht wie eine Biene von Blume zu Blume weiter. Anders herum gilt: Auch vom unternehmen erwartet man keine übermäßige Bindung im Sinne der bereits erwähnten Zweit-Familie.
  • Maßgeschneiderte Qualifizierungsmaßnahmen: Im Studium hat die Generation Z gelernt, kontinuierlich Punkt für Punkt zu sammeln. Zudem sind online oder im Netzwerk fast immer alle wichtigen Informationen vorhanden, die dann kurzfristig abgefragt werden können. Daher ist die Generation Z langfristigen und komplexen Qualifizierungsmaßnahmen eher abgeneigt. Stattdessen wird es zu einer wesentlichen Führungsaufgabe, die Qualifizierung der „Z-Mitarbeiter“ durch kurzfristiges Feedback und kleinere sehr individuelle Qualifizierungsmaßnahmen zu unterstützen.
  • In diesem Zug erfährt auch der transaktionale Führungsstil eine Rennaissance: Es gilt, klare, aber auch komplexe Aufgaben in den Vordergrund zu stellen und diese dann fast schon mechanisch abzuarbeiten. Transformationale Führung über Sinn und Visionen, wie ihn die Generation Y bevorzugt, funktioniert bei der Generation Z nicht mehr.

Es ist sehr interessant zu sehen, dass nach den Veränderungen durch die Generation Y, die ja in den Unternehmen gerade erst langsam Einzug erhalten,  schon die nächste Generation wartet, die wiederum neue Präferenzen mitbringt. Präferenzen, die sich in Teilen sehr von denen der Generation Y unterscheiden. Es wird also vor allem darum gehen, sich individuell auf die unterschiedlichen Generationstypen einzustellen  und gleichzeitig die jeweiligen Impulse für die Weiterentwicklung der eigenen Unternehmenskultur  aufzunehmen.

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